Trauerbewältigung

Mit der Trauer leben – 15 Punkte, die helfen können, mit der Trauer zu leben

  • Akzeptieren Sie die Trauer. Lassen Sie sich von ihren Wellen tragen. Versuchen Sie nicht „gefasst“ zu sein. Nehmen Sie sich Zeit zu weinen. Dies gilt auch für Männer: Starke Männer dürfen auch weinen.
  • Reden Sie über Ihren Verlust. Teilen Sie Ihre Trauer innerhalb der Familie mit und versuchen Sie nicht, andere durch Schweigen zu schützen. Suchen Sie einen Freund, mit dem Sie sprechen können, jemanden, der zuhören kann und nicht gleich ein Urteil fällt. Vielleicht kennen Sie einen Menschen, der Ähnliches erlebt hat? Und reden Sie viel. Wenn ein Freund Ihnen sagt „reiß dich zusammen“, suchen Sie sich einen anderen Freund.
  • Beschäftigen Sie sich. Erledigen Sie eine sinnvolle Arbeit, die Ihre Gedanken in Anspruch nimmt. Vermeiden Sie jedoch hektische Aktivitäten.
  • Seien Sie gut zu sich selbst. Trauern kann Ihrer Gesundheit schaden. In diesem Augenblick ist Ihnen das vielleicht egal; dies wird sich aber ändern. Sie sind wichtig. Ihr Leben ist wichtig – kümmern Sie sich darum.
  • Achten Sie auf Ihre Ernährung. In dieser Zeit der emotionalen und physischen Erschöpfung ist auch Ihr Körper mehr als je zuvor gefordert. Falls Sie nur wenig essen können, sollten Sie an Multivitamine denken, auch wenn das langfristig kein Ersatz für eine gesunde Ernährung ist.
  • Machen Sie regelmäßig Körperübungen. Kehren Sie zu Ihrem alten Programm zurück oder beginnen Sie ein neues. Eine Depression kann durch Bewegung gemildert werden, die biochemische Veränderungen hervorrufen. Sie werden besser schlafen. Eine Stunde Spazierengehen täglich ist das Ideale für viele Menschen.
  • Versuchen Sie angemessen mit Ihren Schuldgefühlen umzugehen. Sie haben sicherlich das Beste getan, das Sie konnten. Auch wenn Sie Fehler gemacht haben, sollten Sie lernen, sie zu akzeptieren; wir alle machen Fehler. Nur im Nachhinein kann man alles besser machen. Falls Sie überzeugt sind, dass Sie wirklich Schuld haben, sollten Sie vielleicht den Rat eines Psychologen oder eines Seelsorgers einholen. Es ist wichtig, dass Sie sich selbst vergeben können oder Vergebung finden.
  • Akzeptieren Sie Ihr Verständnis zum Tod, zumindest im Augenblick. Sie haben sich wahrscheinlich gefragt „Warum?“ und haben begonnen zu verstehen, dass Sie nie eine annehmbare Antwort darauf bekommen werden. Vielleicht haben Sie einen Ansatz zur Beantwortung der Sinnfrage gefunden. Verwenden Sie diesen Ansatz, dieses Verständnis. Leben Sie Ihre Fragen (mit allem anderen sind Sie überfordert !), dann werden Sie vielleicht eines Tages „in die Antwort hineinwachsen“ (Rilke).
  • Schließen Sie sich einer Gruppe von Trauernden an. Der Kreis von alten Bekannten und Freunden wird sich ändern. Auch wenn dies nicht geschieht, brauchen Sie Bekanntschaften, die eine ähnliche Erfahrung gemacht haben. Trauernde Menschen kommen in Selbsthilfegruppen zusammen, um Freundschaften zu pflegen, sich einander mitzuteilen, zu unterstützen und um Verständnis zu finden.
  • Behalten Sie Kontakt zu alten Freunden. Dies kann schwierig sein. Manche werden in Ihrer Anwesenheit in Verlegenheit geraten, aber das wird vorübergehen. Und wenn es Ihnen gelingt, sprechen Sie und geben Sie sich natürlich, ohne das Thema Ihres Verlustes auszuklammern.
  • Verschieben Sie wichtige Entscheidungen. Warten Sie, bevor Sie sich z.B. entschließen, Ihr Haus zu verkaufen oder Ihre Arbeitsstelle aufzugeben.
  • Führen Sie ein Tagebuch, wenn Sie gern schreiben. Dadurch lernen Sie, Ihre Emotionen auszudrücken und können Veränderungen und Ihren eigenen „Fortschritt“ beobachten.
  • Verwandeln Sie Trauer in kreative Energie. Wenn Sie anderen helfen, ihre Last zu tragen, wird Ihre eigene leichter. Falls Sie schreiben können, setzen Sie diese Möglichkeit ein. Große Literatur ist geschrieben worden nach tiefen Verlusterlebnissen und Leid.
  • Suchen Sie gegebenenfalls fachlichen Beistand. Manchmal genügen schon einige Sitzungen mit einem erfahrenen Berater, Psychologen, Therapeuten oder Trauerbegleiter, um Hilfe zu erfahren, um wieder ein Stück weit zu „überleben“.
  • Und vergessen Sie nie: So tief Ihre Trauer auch sein mag – Sie sind nicht allein. Andere haben dasselbe auch erlebt und werden Ihnen helfen, Ihre Last zu tragen, wenn Sie ihnen dies nur erlauben. Verweigern Sie sich nicht. Lehnen Sie das Angebot nicht ab; es gehört immer Mut dazu, Hilfe anzunehmen – aber es gibt Hilfe für Sie!

Dieser Text wurde übernommen aus einem Informationsblatt der Kontakt- und Informationsstelle „Verwaiste Eltern“